Warum darf Messi 14 Mio. Euro verdienen, Winterkorn nicht?

Warum darf Messi 14 Mio. Euro verdienen, Winterkorn nicht?

NORBERT RIEF (Die Presse)

Die Bonuszahlungen für Manager lassen wieder einmal die Wogen hochgehen. Jetzt will die EU sogar die Höhe der Boni festlegen und damit die Besitzer bevormunden.

Das war wirklich schlechtes Timing. Ein ziemlich kostspieliges noch dazu. Just in die Diskussion in der EU über Höchstgrenzen für Bankerboni und die seit Jahren anhaltende Debatte über die Höhe der Managergehälter platzte VW mit der Nachricht, dass man 2012 mit 9,07 Millionen verkaufter Autos einen neuen Rekord erreicht hat. Und das verdient Belohnung: 20 Millionen Euro stünden VW-Chef Martin Winterkorn als Bonus zu.

Allein, VW kennt die Stimmung und will die erwartete Aufregung erst gar nicht haben. Also wird der Konzernchef zurückgestutzt, ließ Volkswagen gestern wissen: Winterkorn wird sich mit 14 Millionen Euro begnügen müssen.

Immer noch mehr als genug, werden nicht wenige sagen, und vielleicht werden manche aus der Sozialdemokratie auch lautstark nach einer öffentlichen Auspeitschung Winterkorns verlangen – es ist ja eine Schande, so viel zu verdienen wie 460 Arbeiter.

Zweierlei ist interessant: Einmal, dass es vor wenigen Tagen nicht einmal den Ansatz einer Diskussion gab, als Lionel Messi seinen Vertrag beim FC Barcelona verlängerte – für ein garantiertes Jahresgehalt von 14 Millionen Euro (noch nicht eingerechnet die Werbeverträge, die weitere 21 Millionen Euro pro Jahr bringen). Zweitens: Winterkorn stiehlt das Geld ja nicht, der Konzern hat es verdient. Allein 2011 erwirtschaftete VW einen Gewinn von knapp 16 Milliarden Euro. Darf man demjenigen, der dafür verantwortlich ist und zehntausende Aktionäre sowie 100.000 Mitarbeiter (die jeweils einen Bonus von 7500 Euro erhalten haben) glücklich gemacht hat, vielleicht ein Promille davon zugestehen?

Während wir noch darüber nachdenken, ein weiteres Beispiel: Daniel Vasella wird am Freitag als Chef des Schweizer Pharmakonzerns Novartis zurücktreten. Das Unternehmen bezahlt ihm knapp 60 Millionen Euro dafür, dass er in den kommenden sechs Jahren nicht für die Konkurrenz tätig wird. Eine Sauerei? Noch einmal Messi: Will sich ein anderer Verein den Fußballer holen, muss er dem FC Barcelona eine Ablösesumme von 250 Millionen Euro bezahlen. Was ist erst das?

Was wir hier sehen, nennt sich freier Markt. Dem FC Barcelona ist ein Messi, der einen Ball durch ein Stadion tritt, so viel wert, und Novartis ist ein Vasella 60Millionen Euro wert, wenn er dafür sein Wissen nicht zur Konkurrenz trägt.

Worüber man tatsächlich diskutieren kann, sind die Auswüchse: Trifft ein Lionel Messi wiederholt nicht ins Tor, wird er seine Gehaltsvorstellungen reduzieren müssen. Manager aber können auch dann noch mit einem Bonus rechnen, wenn sie ihr Unternehmen in Grund und Boden gewirtschaftet haben. Wo es einen Bonus gibt, dort sollte es auch einen Malus geben – darüber sollte man nachdenken.


Einen Malus aber kann nicht der Staat festlegen, das müssen die Eigentümer machen. Und deshalb ist die Debatte, die die EU derzeit über Bankerboni führt, auch inakzeptabel. Die Union hat bereits 2010 mit der Verlängerung des Durchrechnungszeitraums und den Beschränkungen bei der Auszahlung vernünftige Maßnahmen gesetzt, um das kurzfristige Arbeiten hin auf eine Sonderzahlung unattraktiv zu machen. Dass man jetzt auch die Höhe der Boni festlegen will, geht zu weit. Der Staat hat sich nicht in die Entlohnung eines Privatunternehmens einzumischen, er hat ohnehin genügend Möglichkeiten, sich das Geld wiederzuholen (höhere Steuern, keine Förderungen usw.).

In der Schweiz wird das Volk am 3.März über ein vernünftigeres Ansinnen abstimmen: Eine Initiative fordert, dass die Gehälter der Manager allein bei der Vollversammlung von den Aktionären bestimmt werden. Damit würde es auch aufhören, dass ein Aufsichtsrat über das Gehalt eines Vorstands entscheidet, der seinerseits Aufsichtsrat in einem Unternehmen ist, dass also Manager mit Managern verhandeln und nicht Aufsichtsräte mit Vorständen, und dass die Besitzer, also die Aktionäre, nicht einmal wissen dürfen, was ihre hochrangigen Angestellten verdienen.

Hier sollte man ansetzen. Sonst glaubt der Staat noch irgendwann, alle Gehälter regeln zu müssen. Und was dann herauskommt, haben wir ja schon erlebt.

 

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